Diagnose Krampfadern (Varikose)
Ein Viertel aller Menschen leidet unter Krampfadern. Ein Preis für den aufrechten Gang, der das Blut in den unteren Extremitäten „versacken“ läßt. Begünstigend wirkt außerdem das weibliche Geschlecht, auch eine Schwangerschaft, Übergewicht, genetische Faktoren und eine „Bindegewebsschwäche“.
Das Venensystem kann in 4 Teile Unterteilt werden, wichtig sind drei. Auf dem linken Bild sind dies:
- Das tiefe Venensystem (blau)
- Das oberflächliche Venensystem (rot und gelb)
- Das Verbindungssystem von der Oberfläche in die Tiefe „Perforansvenen“ (grün)
- Besenreiservarikose
- Retikuläre Varikose: Netzförmige Zeichnung erweiterter Hautvenen ohne Beteiligung der Stammvenen
- Stammvarikose mit Erweiterung der Stammvenen (rot und gelb)
- Perforantenvarikose, Erkrankung der Verbindungsvenen (grün)
Am häufigsten ist die Stammvarikose mit Undichtigkeit der Klappen in den oberflächlichen Venen. Häufig in Verbindung mit einer Undichtigkeit der Verbindungsvenen, daraus resultiert dann eine teilweise Strömungsumkehr und eine vermehrte Füllung der Seitenäste, die dann als Krampfadern sichtbar werden.
Nachfolgend ist die Stadieneinteilung der Varikose zunächst schematisch und dann klinisch abgebildet.
Aus: Stritecky-Käkler: Chirurgie der Krampfadern
Die selteneren Formen Besenreiservarikose und retikuläre Varikose haben für die Hämodynamik des Beines keine Bedeutung und haben deshalb keinen echten Krankheitswert. Hier steht das kosmetische Problem im Vordergrund. Dagegen stellen die Stammvarikose und die Varikose der Verbindungsvenen echte „Krankheiten“ dar.
Die Besenreiser-Krampfadern werden in der Regel verödet. Eine höhergradige Stammvarikose stellt ein Grund zur Operation dar. Nur bei Patienten, die ein stark erhöhtes OP-Risiko haben, ist die nur konservative Therapie mit Kompressionsbehandlung sinnvoll. Diese Behandlung ist dann aber lebenslang erforderlich (Wer hält das durch?).
Spätestens bei Eintreten von Komplikationen der Varikose ist eine absolute OP-Indikation gegeben. Diese Komplikationen sind:
- Oberflächliche Venenentzündung
- Krampfadernblutung
- Chronisch venöse Insuffizienz, Braun- oder Weißverfärbung der Haut mit Ausbildung eines Geschwürs („offenes Bein“).
Außerdem sollte man bedenken, dass Krampfadern das Entstehen von Thrombosen fördern, z.B. im Flugzeug. Bei jeder Operation ist das Thromboserisiko erhöht, manche Operationen werden gar erst dann durchgeführt wenn zuvor die Krampfadern saniert sind. Volkswirtschaftlich zählen Venenerkrankungen zu den teuersten Erkrankungen. Die Spätfolgen, wie z.B. das Ulcus cruris („offenes Bein“) nehmen in der stationären Behandlungsdauer eine Spitzenstellung ein. Von Apotheken und anderen Einrichtungen werden aus diesem Grund immer wieder Venenmessungen durchgeführt, die ein erhöhtes Risiko aufzeigen sollen. Diese Methode gibt Hinweise, ersetzt aber eine weitergehende Untersuchung nicht. Eine genaue Diagnostik war noch vor einigen Jahren nur mit der Gabe von Kontrastmittel in die Venen möglich. Heute gelingt dies völlig schmerzfrei mit einer harmlosen Duplex-Sonographie, so können die Strömungsverhältnisse in den Venen beurteilt werden und ein Bauplan von den Venen erstellt werden. Die undichten Klappen können genau lokalisiert werden und so eine stadiengerechte Operation geplant werden. Die Operation erfolgt in der Regel in Vollnarkose oder, seltener, in Rückenmarksnarkose. Nach der Operation wird das Bein gewickelt oder mit einem Stützstrumpf versorgt. Die Patienten können und sollen laufen, eine längere Bettruhe ist nicht nötig und auch nicht sinnvoll. Etwa 6 bis 8 Wochen nach der Operation können die Stützstrümpfe ausgezogen werden. Eine weitere Behandlung ist dann in der Regel nicht mehr erforderlich. Natürlich können Krampfadern wiederkommen. Man kann zwar die Krampfadern operieren, aber die auslösenden Faktoren können operativ nicht entfernt werden. Der aufrechte Gang, Übergewicht oder die Bindegewebsschwäche sind durch chirurgische Maßnahmen nicht zu beseitigen. Wir glauben dennoch, dass das Gespür für Krampfadern etwas geschärft werden muss. Bei früh- oder rechtzeitiger Operation sind die oben erwähnten Spätfolgen zu vermeiden, das Risiko für die Patienten ist dadurch zu verringern. Die Operation hat, stadiengerecht durchgeführt, einen länger anhaltenden Erfolg. Auch für die Patienten ist eine frühzeitige Operation leichter zu überstehen, als eine Operation bei daumen-dicken Krampfadern am ganzen Bein oder bei einem offenen Bein. Auch bei einem offenen Bein sollte sorgfältig geprüft werden, ob durch eine Operation nicht eine dauerhafte und ursächliche Lösung erreicht werden kann. Das Ulcus heilt ab, bleibt zu und wird wieder mit stabiler Haut überzogen.